7/31/2013

Swiss Alpine Marathon Davos K30

Nach meiner Meinung viel zu früh kam das Swiss Alpine Marathon Wochenende - nach Knie- und Erkältungsbedingten Trainingsausfällen fühlte ich mich alles andere als ready für meinen ersten Saisonhöhepunkt, den K30. Allerdings - fühlt man sich je so richtig ready für solch einen Lauf?
Nein, ich versuche nicht den Bahnhof
Glaris zu verschieben, ich habe nur
vergessen nach dem Lauf zu dehnen..









Den K30 habe ich mir als Zwischenziel zum Marathon ausgesucht, um nicht direkt vom Halbmarathon auf doppelte Distanz zu steigern. Manuel ist für Bergläufe sowieso immer zu begeistern, und plante spontan ebenfalls den K30 als Trainingslauf für seinen Matterhorn Ultraks ein. So gingen also irgendwann im Frühling unsere Anmeldungen für Davos raus. 

Wir haben uns für die Übernachtung im Rinerlodge-Camping entschieden, perfekt gelegen gleich neben dem Bahnhof Glaris, mit Sonderzug zum Start in Davos. Wir waren nicht ganz die einzigen Läufer auf dem Camping - selten habe ich so viele Finisher-Shirts auf einem Haufen gesehen!

Freitag Abends reichte es nach der Anfahrt gerade noch so für das Abholen der Startnummern im Kongresszentrum Davos. Nachdem wir in Rekordzeit unser Camp aufgeschlagen hatten, durchkämmten wir die Speisekarte der Rinerlodge nach einem Läufer-tauglichen Abendessen. Wir verschlangen hungrig die hervorragende Spätzlipfanne und nutzten anschliessend das letzte Tageslicht, um die Zeitnahme-Chips an den Schuhen und die Startnummern am T-Shirt zu befestigen. Schon vor zehn Uhr verkrochen wir uns in unser Dachzelt - und waren beinahe die letzten im gesamten Camping!

Weckerläuten um 4:45, draussen ist's noch dunkel und ziemlich frisch. Doch der Tag verspricht heiss zu werden, über 30°C auch auf 1'500 Metern Höhe! Frühstück, anziehen, und bevor wir so richtig wach wurden, sassen wir auch schon im Zug nach Davos Platz. Dort blieb noch genügend Zeit, um uns in der laaaaangen Toitoi-Schlange anzustellen, Sonnencreme einzuschmieren und unser Gepäck für den Transport abzugeben. Eine Viertelstunde vor dem Start trennten wir uns um uns am Start einzureihen, Manuel ganz vorne in Reihe zwei, ich irgendwo im hinteren Mittelfeld. Ohne Erfahrung mit Strecken länger als Halbmarathon, geschweige denn mit Höhenmetern, wusste ich nicht so richtig, welche Zielzeit ich anstreben sollte. Schlussendlich habe ich mir irgend etwas unter dreieinhalb Stunden vorgenommen.

So ganz wach, war ich wohl noch nicht...
(Bildquelle: marathon4you.de)

Nervosität wollte sich noch nicht so richtig einstellen, aber spätestens beim Erklingen des obligaten Countdown-Songs "Conquest of Paradise" begleitet vom Sonnenaufgang, stellte sich Hühnerhautfeeling ein. Zum ersten Mal begann ich neben Respekt auch Vorfreude zu verspüren!

Countdown, Startschuss, grosser Jubel und feuchte Augen, und dann - nichts! Keinen Schritt vorwärts ging es, während die Spitze schon zum Stadion hinaus schoss - irgendwie etwas antiklimaktisch... Dann ging es auch für uns los - gefühlt langsam genoss ich den ersten Kilometer durch Davos. Die Uhr sagte aber etwas anders: viel zu schnell!!

Die Strecke durch Davos ging locker, genügend Platz war auch vorhanden, und ich konnte mich bestens durch Zuschauer und Mitläufer unterhalten lassen. Kaum hatten wir Davos verlassen, begann die männliche Hälfte der Läuferschar damit, jeden Baum und jeden Stein zu markieren... Noch nie habe ich bei einem Lauf so viele Boxenstops beobachtet, und schon gar nicht in der ersten halben Stunde!

Nach rund 8 km der erste Anstieg, nicht sehr lange, aber ausreichend steil. Ich suchte mir ein paar Waden aus, und liess mich ziehen, bis die Waden ins Gehen verfielen. Dann gings hinunter zur Mühle bei Glaris, aber die Freude währte nur kurz, denn jetzt kam bereits der steile Hauptanstieg des K30 hinauf nach Spina. Den grössten Teil dieser 1.5 km bewältigte ich, wie auch alle anderen Läufer in meiner Nähe, gehend.

In Spina war die Hölle los, Kuhglocken und Zuschauer veranstalteten einen riesen Lärm, fast hätte ich die Verpflegungsstation verpasst. Mit etwas Wasser spülte ich mein erstes Gel hinunter, und weiter ging der Anstieg, jetzt allerdings etwas weniger steil. Dafür wechselten wir bald auf schmale Waldwege mit Wurzeln und Steinen, die das Überholen erschweren.

Mir ist in diesem Bereich mehrmals ein Läufer im orangen "Marathon4You.de"-Shirt aufgefallen, der wie wild alles abfotografierte. Und tatsächlich fand ich mich auf zwei Fotos des Berichts wieder!

Im Aufstieg zwischen Spina und Monstein. Ich wäre das
pinke Läuferlein zwischen all den Herren in rot.
(Bildquelle: marathon4you.de )


Nach rund 15 km fing der lange Abstieg an, teilweise konnte man es richtig rollen lassen, zwischenzeitlich wurde man aber auch durch die Wanderwege etwas ausgebremst. Beim Bahnhof Monstein hatte ich Glück, die Läufer knapp vor mir mussten an einer geschlossenen Barriere stoppen und den Zug passieren lassen...

Nach Monstein ging die Strecke hinein in die Zügenschlucht - wunderschön, und immer leicht bergab. Einzig die unbeleuchteten Tunnel waren etwas gefährlich, vom Boden sah man da nähmlich rein gar nichts. Gegen Ende der Schlucht stieg der Weg wieder leicht, und die zunehmende Kraft der Sonne war auch zu verspüren. Trotzdem fühlte ich mich beim Halbmarathon recht gut.

Immer wieder konnte ich mich dem einen oder anderen schön gleichmässig laufenden K78-Läufer anhängen, welche gleichzeitig mit uns in Davos gestartet waren. Selten hatte ich so viele schnell aussehende männliche Mitläufer :) Überhaupt war die Stimmung entspannt, die meisten Läufer hielten sich auch an die Regeln und liessen fair Platz für Überholende. Einfach schön! Schon kam die spezielle Passage über das Wiesner Viadukt, und dann der Bahnhof Wiesen, wo es viele Zuschauer hatte, und die Stimmung wieder top war.

Die letzten fünf Kilometer hatten es dann aber noch etwas in sich. Schmale Wege, zunehmend wärmere Temperaturen, nochmals einige Steigungen und zu allem Überfluss Krampfanzeichen in Wade und Oberschenkel bei der letzten Hinab-Passage auf den letzten zwei Kilometern vor Filisur. Zähneknirschend musste ich eine Läuferin mit Kopfhörern ziehen lassen, die mich bereits zwei Mal beim Überholen völlig unnötig so geschnitten hatte, dass ich beinahe über ihre Beine gefallen wäre. Im Netto-Schlussklassement waren wir dann allerdings gleich schnell :) (aber sie leider einen Rang vor mir klassiert :-p).

Ärger und Krämpfe waren aber allerspätestens Anfangs Dorf Filisur völlig vergessen. Manuel erwartete mich bereits in der letzten Kurve. Kurzes abklatschen, und schon wurde die Strecke zweigeteilt und die K30-Läufer wurden nach links umgeleitet. Nach der Zeitnahme-Matte musste ich allerdings zuerst nachfragen, ob ich wirklich schon im Ziel bin - es war nicht sehr deutlich gekennzeichnet. 

Mit der Zeit von 3:12 bin ich mehr als happy, vor allem weil ich mich eigentlich immer gut gefühlt habe, und nie völlig an oder über der Grenze gelaufen bin! Ein frisch geduschter Manuel erwartete mich bereits, meine Frage wie es ihm gelaufen sei, beantwortete er mit "jaja, recht gut" begleitet von einem monumentalen Grinsen. "Recht gut" - so stellte sich dann schnell heraus - war eine Zeit unter 2 Stunden (1:58) und der 3. Gesamtrang!!

Manuel's Lauferlebnis hatte sich deutlich von meinem unterschieden, er war nämlich weite Teile der Strecke alleine oder mit nur einem Mitläufer in Sichtweite unterwegs gewesen. Auf ganz unterschiedliche Art und Weise hatten wir aber beide einen unvergesslich schönen Lauf!

Wohlverdient!

Nach kurzem Stop beim Camping (wo wir schon knapp nach 11 Uhr eintrafen, und das nach einem mehr als dreistündigen Lauf!) fuhren wir wieder nach Davos, um die Ankunft der K78-Sieger zu sehen. Unglaublich, was diese Läufer geleistet haben! Die richtig heftigen Höhenmeter kamen ja erst in den 48 km nach unserem Zieleinlauf in Filisur, und das bei diesen Temperaturen! Mein tiefster Respekt für alle Finisher, von der Spitze bis hin zu jenen, die Abends um neun noch im Ziel eintrafen.

Nach einer Stunde im Zielstadium suchten wir uns ein schattiges Plätzchen im Garen einer Bar, wo wir uns den Apero mit einem Glas Weisswein gönnten. Gegen fünf war ich so hungrig, dass ich Manuel schliesslich in ein Restaurant schleppte, wo wir eine wohlverdiente Röschti mit Lachs (und Rotwein) bestellten. Es lag wohl an der Hitze und/oder am Lauf, aber selten ist mir so wenig Wein derart stark eingefahren...

Siegerehrung K30 (Bildquelle: Swiss-Image.ch)

Um halb acht war dann die Siegerehrung im Kongresszentrum. Manuel bekam nebst Kristall und Sonnenblume auch noch zwei Übernachtungsgutscheine für eine Davoser 4-Stern Hotel. Der Schlafzimmerblick auf dem offiziellen Foto (unten) ist wohl etwa zu gleichen Teilen auf zu viel Sonne und auf den Wein zurückzuführen. ;)

K30 Rang 1 und 3. (Bildquelle: Swiss-Image.ch)
Und nein, Manuel war nicht betrunken ;))
"The Making of" von obenstehendem Foto.

Gerade noch so knapp (ha, ich konnte sogar noch schnell laufen!) erreichten wir dann den letzten Zug zurück nach Glaris, wo ich einzig noch zum erklimmen der Leiter hinauf in unser Dachzelt fähig war.

Nicht übel, für einen
Vorbereitungslauf :)
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Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch euch beiden zu diesen super Ergebnissen. Ihr hatte ja wirklich einen schönen Lauf und super, dass es dir während dessen und danach so gut ging. 30km zudem noch bergig sind sicherlich nicht ohne. Dann erholt euch weiterhin schön.

    Viele Grüße
    Belli

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    1. Hallo Belli! Vielen Dank, wir spannen momentan so richtig aus, beim Windsurfen auf Mauritius :)) Das heisst, ich spanne aus, Manuel ist schon wieder unterwegs zum Abendlauf, der Matterhorn Ultraks rückt näher... Sonnige Grüsse von weit, weit im Süden, Muriel

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